Ebay – ich kann’s nicht lassen

Fahrradverkauf. Foto machen, Text dazu und online stellen.

Heute haben sie mir nach nicht mal 30 SEKUNDEN die Bude eingerannt. Wegen eines gut 15 Jahre alten Damenfahrrads. 50 Euro.

Der erste Interessent, Roman, schrieb mir: „Kaufe gerne für 60 Euro“

Meine Antwort: „Hallo Roman, vielen Dank für Ihr Interesse. Aber wollen Sie wirklich 60 Euro für ein Rad bezahlen, das 50 Euro kostet?
Mit freundlichen Grüßen“

Roman: „Ok 55 passt“

Eine Minute später: „Was ist mit das Fahrrad, Gänge und Nabendynamo funktioniert. “

3 Minuten später: „Bitte um Antwort“

Ich – 2 Minuten darauf: „Hallo zurück, alles funktioniert, alles ist in Ordnung.
Wann könnten Sie – gerne für die angegebenen 50 Euro – das Rad in … abholen?“

Roman: „Komme sofort, das dauert 40 min. aus … Bitte um die Adresse.“

Ich: „Alles klar, Sie waren der erste und daher bekommen Sie das Rad. 😉
Unsere Adresse: …
Wir warten eine Stunde lang auf Sie.
Viele Grüße“

Danach kamen 34 Anfragen wegen des Rads. Ich war im puren Stress. Bing. Lesen. Böng. Antworten. Bin ja ein höflicher Mensch, der allen sagte, dass da ein Herr vor ihnen angefragt hatte und ich mich gegebenenfalls nochmal bei ihnen melden würde.

Bing. Bing.

„Hallo
Guten Tag
İch interesse“ – eine Minute später: „İst das noch da
İch möchte jetzt Fahrrad abholen“

Bing. „Guten Tag für 40 Euro nehme ich sofort mfg “

Bing. „Guten Tag
Für 40€ kann ich das Fahrrad sofort abholen“ „Ich komme aus …
Brauche max halbe stunde“

Böng.Böng.Böng.Bing.

„Hallo guten Tag ich möchte dass kaufen bitte schicken sie mir ihr Adresse
Mfg“ – EINE Minute später: “ Ich möchte jetzt kommen und abholen“

Bing: „Hallo kann ich abholen in der Montag?“

Bing.

„Hallo ist noch da“ — 2 Minuten später: “ Wenn da ist kann ich sofort kommen“ Daraufhin schickte ich meine – inzwischen kopierte – Standardantwort: „Hallo zurück, da war ein Herr schneller als Sie. Falls das Rad in 2 Stunden noch da ist, melde ich mich bei Ihnen.“ — Antwort: „Warum warten sie 2 stunden komme ich sofort“ Ich wiederum:  „Ich warte, weil ich ein netter Mensch bin und es zunächst dem ersten, der sich hier freundlich gemeldet hat, versprochen habe. ;-)“ Anwort: „Sie sind wirklich sehr nette. Ich habe gestern ein Rad reserviert für heute nach 2 Stunden geschrieben ist verkauft“

Das war alles innerhalb von 20 Minuten. Schweißgebadet wartete ich noch weiter 20 ab, bis Roman kam, im Blaumann, ohne Haupthaar, am lachen. Super lieb. Ob ich nicht noch ein zweites Damenrad hätte? Er freut sich, dass bald die Grenzen zu Polen wieder offen sind und dann fährt er mit seiner Frau rum. Und sein polnisches Bier – ach das ist gut!

Jetzt muss ich aber aufhören, weil ich ja noch 2 Jungenräder eingestellt habe. Und der Oma aus Brüggen muss ich gleich sagen, dass ich mich vielleicht in 2 Stunden wieder bei ihr melde…

Bing. Bing. Bing.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Reischl Katherl

Gastbeitrag:

Vom Finstersterner nach einer wahren Begebenheit erzählt:

 

Für’s Seelenheil

 In den Zeiten geistlicher Schulaufsicht hat ein Lehrer nebenbei allerhand zu tun. Solchermaßen ist August Bothschafter (1856-1932) im Bayerwalddorf Grainet nicht nur Schulprinzipal, Gemeindeschreiber, Feuerwehrkommandant, Obstbaumwart und Imker, sondern auch Chorregent, Organist und Pfarrmesner. Als Letzterer muss er u.a. das Weihwasserbecken in der Pfarrkirche nachfüllen, — und das auffallend oft. Schuld daran ist das Reischl-Katherl, das täglich die Gräber auf dem Gottesacker vor der Kirche mit geweihtem Nass versorgt. Des ständigen Nachfüllens überdrüssig knöpft sich der Schulmann das Katherl vor und gibt ihm eindringlich zu verstehen, künftig sparsam mit dem ‚Weihbrunn‘ umzugehen, und die Ermahnte ist zunächst einsichtig. Doch als Pfarrer und Lehrer einige Tage später aus der Graineter Kirche kommen, müssen sie sehen, wie das Reischl-Katherl aus einem Eimer mit beiden Händen geweihtes Wasser auf die Gräber schöpft, und das unter den aufmüpfigen Worten: „Seht‘s arme Seeln, seht‘s arme Seeln, lasst‘s enk vom Schuilehrer am Ooosch lecka!“

 

 

Nö – einfach NÖ!

Klassenpflegschaftssitzung. Die üblichen, wenigen Verdächtigen (sprich: Eltern, die sich irgendwie für ihr Kind und die Schule interessieren) sitzen aufgereiht auf den Ministühlchen in der Grundschule.

Auftritt Klassenlehrerin. „Hallo zusammen. Wer schreibt das Protokoll?“

Schweigen. Blicke. Zu mir. Eine Stimme von links außen. „Na, ich würde mal sagen, DU machst das, das hat doch die letzten 4 Jahre so gut geklappt…“ Breites Grinsen. Von überall her.

„Nein, ich heute nicht.“ Batsch. Entsetztes Schweigen. Frau Schachtldaifal schreibt nicht. Wo sie doch zumeist sonst geschrieben hat. Klaglos. Weil’s sonst keiner machen wollten und alle ihre Schuhe angesehen haben. Oder den Boden.

„Bist du krank?“ Erschrockener Blick von halblinks von einer wirklich netten, einfühlsamen Mutter.

„Nö. Alles gut, alles wie immer. Ich mache es nur heute nicht. Ich mag nicht.“

Stille. Geräusche von eingesaugtem und stoßweise ausgeatmetem Restsauerstoff, welcher nicht üppig vorhanden ist in diesem Klassenraum.

Sie MAG nicht. Noch nie gehört. Ich warte. Ich gucke definitiv nicht meine Schuhe oder den Boden an. Wird Frau Schachtldaifal noch umschwenken? Wird sie die starrende Stille aushalten können? Wird sie??

Jau, sie guckt. Sie holt sich l a n g s a m ein Bonbon aus der Tasche. Sie schiebt es in den Mund. Sie lutscht.

Endlich findet sich noch jemand, der offensichtlich des Schreibens mächtig ist. Erleichterung.

Ich lutsche weiter und fühle mich großartig. Warum nicht schon eher? Warum immer so höflich? Warum nicht gleich sagen, was Sache ist?

Bin wohl so erzogen worden, höflich und nett. Anständig sein. Lächeln.

Mit den Jahren wuchs in mir Erkenntnis. Viele Menschen sind mitnichten ebenso höflich und nett. Sie nutzen dich schamlos aus. Man selbst hingegen reagiert sehenden Auges wiederum höflich. Das ist für die innere Balance auf die Dauer mega anstrengend. Und man ärgert sich im Nachhinein darüber, dass man nicht Tacheles geredet hat.

Daher habe ich es mir so langsam angewöhnt, nicht mehr diese für mich zunächst am einfachsten erscheinende, langfristig hingegen für mein seelisches Wohlbefinden wenig förderliche Devotschiene zu fahren.

Am besten ist immer noch die Wahrheit. Gleich. Auch wenn’s weh tut.

Ich bin nicht dein Taxi, dein Hotel, dein Packesel oder dein Koch. Nicht falsch verstehen: Es gibt viele liebe Menschen, die selber anständig und empathisch sind. Für die würde ich alles tun und ihnen jederzeit helfen. Die sind immer willkommen. Aber ausnutzen lassen möchte ich mich nicht mehr.

Sehr erfüllend, wenn man das auch durchzieht. Die Wahrheit aussprechen.

Den Postboten abfangen und ihm klar sagen, dass man die Briefe bitte nicht nass und am besten auch nur die eigenen und nicht die der gesamten Nachbarschaft im Briefkasten haben möchte.

Dem Hundebesitzer in freundlichen, aber klaren Worten sagen, dass er seinen Dalmatiner nicht frei im Wald laufen lassen kann, wenn dieser noch nicht mal auf seine Kommandos hört und andere Hund anfällt (von Rehen ganz zu schweigen).

Und eben auch nicht Protokolle schreiben, wenn andere Muttis noch nie in den 4 Jahren Grundschule irgendwo aktiv geholfen oder zumindest einen Kuchen gebacken haben.

Am Ende der Pflegschaftssitzung war zumindest dieser Drops gelutscht. Nö – einfach Nö!

Vielen Dank an dieser Stelle an die liebe/den lieben J. und M. aus P. , die mir mit einem wegweisenden Buch („Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Ichiro Kishimi und Fumitake Koga) die Augen nochmals einen Spalt weiter geöffnet haben.

 

 

 

Fette Beute

Man könnte es mit Ludwig Börne sagen:

„Es gibt Leute, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld.“

In meinem Fall: Ich gehöre anscheinend sowohl zu der einen Gruppe von Leuten als auch zu der anderen. Zunächst habe ich mit Geld gegeizt und gedacht: „Ei fein, hier wird im hiesigen Baumarkt eine Champignonzucht feilgeboten. Nur 12 winzige Euros und von da an bottomless Pilze!“ Sodann habe ich auch meinen Verstand beiseite gelassen und tatsächlich gemeint, dass ich ohne viel Aufwand bei der Beschaffung und bei der Hege und Pflege viele köstliche Champignons hervorzaubern könnte. Ja! Ich Ignorant! Meine Einschätzungen sind offensichtlich keinen Pfifferling wert.

Ehrlich, ich habe alles so gemacht, wie es auf dem Kasten stand. Und jetzt, nach 6 1/2 Wochen, habe ich es geschafft:

Das ist doch ein wunderhübscher Pilz! Ich nenne ihn Schorsch I, den schuppige Champignon. Er ist mein ganzer Stolz. Zusammen mit seinem Bruder Schorsch II, dem schmierigen Champignon, teilt es sich ein hübsches Plastikbeet unter der Heizung in der Küche. Seit 6 1/2 Wochen. Laut Beschreibung sollte schon die 3. oder 4. Ernte mit unzählig vielen Pilzen anstehen. Pah! Nix da!

Fette Beute sieht anders aus. Immerhin sind es wohl die teuersten Champignons weit und breit. Jeder mindestens 6 Euro wert. Energiezufuhr und Wassergabe nicht eingerechnet. Ich kann die auch nicht essen. Sie sind mir inzwischen schon ans Herz gewachsen. Allerdings muss man jetzt aufpassen, da sie so groß sind, dass sich die Heizung bald als Muster auf ihnen abformen wird.

Lasst uns mit einem Börnezitat enden – liebe ich doch beim Schreiben nichts mehr als einen sich schließenden Kreis:

„Einen Wahn verlieren macht weiser als eine Wahrheit finden.“

Vom Pilzzuchtwahn bin ich nun befreit! So verspüre ich keinen Zwang, einen großen mit Shiitakemyzel geimpften Strohballen in die Garage zu wuchten.

Verkaufsstrategien

Neulich vor dem Supermarkt. Da ist ein Stand mit türkischen Spezialitäten. Ab und an darf man sich ein bis drei Schüsselchen voller leckerer eingelegter Champignons, Oliven und Co , die horrende Preise haben, durchaus gönnen.

Ich ordere also meinen Curryfrischkäsespezial. Es gibt kleine oder große Plastikbecher. Während ich ansetze, diesbezüglich meine Wahl zu treffen, hat der nette Verkäufer schon ein unsagbar großes Stück Fladenbrot auf einen Zahnstocher gepiekst und in einer rötlichen Soße gebadet. Mit Schwung nimmt er das Ding raus, schwappt es über die Theke und hält es mir vor’s Gesicht. „Zum Probieren!“ Ich sehe die Soße dickflüssig das Fladenbrot verlassen und ehe sie auf meine Jacke tropft, stecke ich mir das überdimensionierte Probierbrot in den Mund. Währenddessen schnappt sich der Verkäufer in Windeseile einen großen Becher und – haste nicht gesehn – hat in bis über den Rand mit Currycreme vollgestopft. Wollte eigentlich einen kleinen, aber nun gut, das Zeug ist ja auch lecker.

Jetzt noch etwas von den guten schwarzen Knoblaucholiven, ich hätte gerne das klein… mampf…äh…(Mist, das zweite Mal in einer Minute auf den Tunktrick reingefallen…und  Jalapenoscreme mag ich nicht)…mampf.

Das Ergebnis: 2 riesengroße Becher, zum Rand voll gefüllt (ja, das macht erst richtig Spaß, wenn ich später die Dinger von der ölbesudelten Tragetasche in den Kühlschrank stellen will), zu schlappen 9 Euro 45 Cent.

Gratulation, SIE sind der Verkäufer des Monats!