Fette Beute

Man könnte es mit Ludwig Börne sagen:

„Es gibt Leute, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld.“

In meinem Fall: Ich gehöre anscheinend sowohl zu der einen Gruppe von Leuten als auch zu der anderen. Zunächst habe ich mit Geld gegeizt und gedacht: „Ei fein, hier wird im hiesigen Baumarkt eine Champignonzucht feilgeboten. Nur 12 winzige Euros und von da an bottomless Pilze!“ Sodann habe ich auch meinen Verstand beiseite gelassen und tatsächlich gemeint, dass ich ohne viel Aufwand bei der Beschaffung und bei der Hege und Pflege viele köstliche Champignons hervorzaubern könnte. Ja! Ich Ignorant! Meine Einschätzungen sind offensichtlich keinen Pfifferling wert.

Ehrlich, ich habe alles so gemacht, wie es auf dem Kasten stand. Und jetzt, nach 6 1/2 Wochen, habe ich es geschafft:

Das ist doch ein wunderhübscher Pilz! Ich nenne ihn Schorsch I, den schuppige Champignon. Er ist mein ganzer Stolz. Zusammen mit seinem Bruder Schorsch II, dem schmierigen Champignon, teilt es sich ein hübsches Plastikbeet unter der Heizung in der Küche. Seit 6 1/2 Wochen. Laut Beschreibung sollte schon die 3. oder 4. Ernte mit unzählig vielen Pilzen anstehen. Pah! Nix da!

Fette Beute sieht anders aus. Immerhin sind es wohl die teuersten Champignons weit und breit. Jeder mindestens 6 Euro wert. Energiezufuhr und Wassergabe nicht eingerechnet. Ich kann die auch nicht essen. Sie sind mir inzwischen schon ans Herz gewachsen. Allerdings muss man jetzt aufpassen, da sie so groß sind, dass sich die Heizung bald als Muster auf ihnen abformen wird.

Lasst uns mit einem Börnezitat enden – liebe ich doch beim Schreiben nichts mehr als einen sich schließenden Kreis:

„Einen Wahn verlieren macht weiser als eine Wahrheit finden.“

Vom Pilzzuchtwahn bin ich nun befreit! So verspüre ich keinen Zwang, einen großen mit Shiitakemyzel geimpften Strohballen in die Garage zu wuchten.

Veröffentlicht von

schachtldaifal

Eigentlich ist nur wichtig, dass ich die Silbentrennung beherrsche. Aber leider erscheint auf meinem Blog alles willkürlich getrennt - das tut mir leid! Wollte ich nur mal so gesagt haben... ;-)

11 Gedanken zu „Fette Beute“

  1. Schmuel xD xD
    Solide Berichterstattung, ich bedanke mich und habe mich sehr amuesiert!! 😀

    Ich komme nicht umher, einen Schwank aus meiner Jugend anzufuegen:

    Vor etlichen Jahren habe ich meinem damaligen Freund eine Pilzzucht im noch jungen Internet bestellt als Weihnachtsgeschenk. Vor Weihnachten hab ich den Freund dann noch von seinen Beziehungspflichten entbunden und ihm dennoch seine Geschenke fuer das anstehende Christfest angeboten. Die waren nunmal schon da.
    Daraufhin zischte er irgendeine Gemeinheit und ward nicht wieder gesehen.
    Da stand ich nun mit meiner Pilzzucht in der Styroporkiste und einer Doppel-CD, die die besten Hits der 90er versprach. xD

    Die 90er Jahre CD entpuppte sich als unschlagbar wenn man als Fahrer angetrunkene Freunde irgendwohin karrt (alle fangen sofort an zu feiern und zu singen, man braucht keine sinnlosen Gespraeche fuehren oder peinliche Geheimnisse erfahren).
    Die Pilzzucht hingegen oeffnete ich aus Neugier einmal (Aha, nasses Stroh) und strafte sie danach wochenlang mit Missachtung. Irgendwann hob sich der Deckel und ein mutierter Riesen-Austernseitling winkte mir zu :0
    Ich haette ihn ganz gern gegessen aber er war mir zu gross und unheimlich… Also hing er mit der Zeit schlaff herab und gammelte, woraufhin ich die gesamte Box in die Tonne trat.

    Was ich mit dieser Anekdote ausdruecken wollte:
    Kann es sein, dass deine Pilzfarm atens zu wenig schimmlige (Luft-)Feuchtigkeit in einer geschlossenen Styroporkistenatmosphaere und btens zu viel Licht abbekommen hat?
    Wie man oben lesen kann bin ich mitnichten Fachfrau, aber ich glaube dass es so vielleicht besser klappen koennte.

    Viele Gruesse von weit oben,
    Luisa

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Luisa,

      ich finde es schon mal echt toll, dass du deinem damaligen Freund das Geschenk noch geben wolltest! Was hätte er wochenlang – ach was – monatelang gut essen können. (Du hast ihn wohl nicht zu Unrecht ziehen lassen, wenn der diese Chance nicht erkannt und genutzt hat, der Unwissende.) Und dann wollte ich mich für den guten Erfahrungstipp bedanken: Ja, es war bestimmt zu hell und ja, „geschlossene“ Kiste? Ähm, ich habe nach 3 Wochen den Plastikdeckel abgemacht, weil ich dachte, die Pilze werden nix, weil sie keinen Sauerstoff bekommen.🙈 Allerdings: Nach meinen einzigen zwei magic Mushrooms kam jetzt definitiv nichts mehr nach. Ödnis und Leere im Karton. Mit oder ohne Deckel. Nur so komische kleine schwarze Fliegen (mag ich jetzt so außerhalb der Saison auch nicht im Haus haben).
      Hab ich schon erwähnt, dass ich mich schlapp gelacht habe über deine Ausführungen?? Nein? Du hättest mich bis zu euch rüber über den großen Teich zumindest kichern hören können…und wenn du mal in der Gegend bist, würde ich gerne mit dir und der 90er-Jahre Mucke im Auto in der Gegend rumcruisen und mich währenddessen köstlich mit dir unterhalten 😄👍🏻.
      Viele Grüße von schräg drüben,
      dein Schachtldaifal

      Gefällt 1 Person

      1. Das klingt gut. Ich hoffe du bist textsicher bei Ace of Base UND den Vengaboys. 😂😂
        Also wenn du mal rein zufällig bei mir in der Gegend bist, können wir auch gern zusammen Pilze sammeln gehen. Draußen werden die komischerweise auch was ohne Styropordeckel oben drauf. 🤔🍄
        Herzlichst,
        Anekdörte

        Gefällt 1 Person

    1. Oh, bei mir war der holde Gatte mit dabei, und weil der ja so gerne Champignons isst, war er gleich auch von der Idee infiziert/geimpft. Aber ich hätte es eigentlich wirklich besser wissen können, weil bei mir schon die Urzeitkrebse vom Yps-Heft nichts geworden sind. Und selbstgebackenes Brot bleibt verschrumpelt in der Kastenform.🙄😎

      Gefällt 2 Personen

  2. Werte Frau Schachtldaifal,
    Zwei Gefühle übermannten mich gleichermaßen bei der Lektüre Ihres letzten Beitrags: überwog zunächst die Freude über einen neuen Text, so befiel mich doch alsbald Befremden ob des Inhalts.
    Nun ist ja bekanntermaßen schon lange von einem Rechtsruck der Gesellschaft zu lesen. Dass dieser aber nicht nur die Menschheit, sondern auch harmlose Pilzkulturen betrifft, war mir in dieser Form noch nicht bekannt.
    Da haben wir einerseits den stolzen, schuppigen Schorsch, der in Ihrem Beitrag sehr positiv gezeichnet wird. Auf der anderen Seite wird ihm aber der schmierige Schmuel gegenüber gestellt, der entweder schon zuvor da war oder aber dazu kam, um Schorsch Gesellschaft zu leisten. Beides wäre löblich und zu begrüßen.
    An den Namen der beiden Hutträger ist abzulesen, dass es sich um Angehörige zweier unterschiedlicher Kulturen handelt, die dennoch in ein und derselben Zuchtanlage das Licht der Welt erblickten. Sollten Sie, liebe Frau Schachtldaifal, also nicht vielmehr diese Zweisamkeit betonen, anstatt kulturelle Unterschiede pejorativ zu besetzen („schmierig“)? Beide strecken doch ihr Mycel in dieselbe Erde.
    Mit freundlichen Grüßen
    Frau Besserwisserin

    Gefällt 2 Personen

  3. Sie haben ja Recht, liebe Besserwisserin!
    Da ist wohl der Alliterationshengst gepaart mit mir in meinem „Nichts-Schlechtes-Denken“-Wägelchen durchgegangen. Wenn hier einer NICHT rechts gesinnt ist, dann ich! Habe alle zu Schorschs degradiert. SchorschInnen wollte ich nicht. Im Übrigen weilt inzwischen keiner mehr unter uns. Das Restmyzel wurde im Garten verteilt. Vielleicht tut sich ja was nächstes Jahr. Draußen.

    Liken

  4. Klasse geschrieben!^^

    Die Idee von einer kleinen Pilz-, Erdbeer-, Orangen- oder Zitronenzucht finde ich auch verlockend. Zum Glück hat mich mein schwarzer Daumen immer in letzter Sekunde vom Kauf abgehalten, wenn ich um solche Angebote herumgeschlichen bin.

    Auf Schorsch I, den schuppigen Champignon, und seinen Bruder Schorsch II, den schmierigen Champignon!

    Gefällt 1 Person

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