Schulabschluss in Coronazeiten

Warten auf den Abflug
Die letzten Minuten überhaupt und jemals in der Grundschule. Heute ist alles anders. Keine Gesangseinlagen der 3.-Klässler, kein ein letztes Mal Aus-der-Schule-Laufen durch das Tücherspalier, keine wilden Knuddelorgien mit wem auch immer. Coronatime.

Kinder wie Eltern sind im Schulhof auf Stuhlgrüppchen separiert und alle brav mit Mundschutz anwesend.
Die Schutzmaske hat schon etwas Gutes. Nach der etwas trockenen Rede der Rektorin und dem Verteilen von 2 Schmunzelsteinen samt 2mal dem gleichen Schmunzelsteingedicht dazu (ja, die eigene Klassenlehrerin und die Patenkinder aus der 1. Klasse hatten wohl alle das erstbeste Ergebnis bei Google angeklickt), wird es mit dem vom Band abgespielten Lied „Feuerwerk“ doch noch etwas tränenrührig. Daher: Mundschutz ist schon etwas Gutes. Da laufen die Tränen rein und man muss nicht mit einem Taschentuch rumfummeln.

Dann werden Luftballons zu Himmel gelassen, by by, schöne Grundschulzeit. 23 Kinder starren gebannt nach oben. Und die Musik schwillt an. Und der erste Ballon zerplatzt. „Ein Hoch auf uhuns uhuns –  und dieses Lääähäben“.

Im Anschluss geht es zur Geschenkübergabe in den hinteren Garten der Schule, weil vorne schon die Parallelklassen mit den Abschlusshufen scharren. Wincent Weiss Teil 2. „Feuerwerk – oh – oh…“. Schmunzelstein. Luftballon. In den Himmel starren.

Im Backstagebereich – sprich der Sandgrube und den 3 großen Bäumen – wird der Klassenlehrerin feierlich ihr Geschenk überreicht. Eine Blumentreppe, auf der jeder Kind seine – hoffentlich seit 2 Wochen angesäten – Wildblumen im Joghurtbecher überreicht. Inklusive lautem Vorlesen des Danksprüchleins, das die Jugend – hoffentlich – auf das Becherchen geschrieben hat. Spannende Szenen spielen sich ab. Weinende Mädchen, die unter dem Schnutenlappen gedämpft schluchzen, gelangweilte Jungs, die ihren Becher die 2 Meter bis zum Blumentreppchen waagrecht halten, Mädchen, die verzweifelt die Handschrift ihrer Mutter auf dem Becher zu entziffern versuchen, Jungen, die einen halben Kniefall vor der Lehrerin machen, Mädchen, die artig ernsthaft einen Roman vom Becher ablesen und dann noch der Junge, der nichts auf seinen Blumen stehen hatte. Die waren netterweise von der Pflegschaftsvorsitzenden als Notersatz mitgenommen worden. Da hatte sie gut mitgedacht. Der Jungs steht also vor der Lehrerin, die er 4 Jahre lang hatte. Sie sagt freundlich: „Na, da steht ja nichts. Möchtest du mir denn wenigstens etwas sagen?“ Der Knabe, grinsend: „Nö“. Aha. Sag’s mit Blumen mal ganz anders.

Nun sind die Geschenke für die Pflegschaftsvorsitzenden dran. Ich bekomme mal wieder die Mercitafel und einen Erdbeersekt für meine Tätigkeit als Protokollschreiberin. Welch Ironie. Auf die spätere Nachfrage, warum ich denn so geehrt wurde, anwortet eine Mutti, mit der ich schon im Kindergartenelternbeirat war: „Weil du doch NIE WIEDER EIN PROTOKOLL schreiben wolltest, damals.“ Gut, ich werde alt und vergesslich.

Schließlich bekommen die Kinder alle noch ein kleines Fotoalbum. 4 Jahre in Bildern. Sehr hübsch. War allerdings ein steiniger Weg bis hin zum fertigen Fotobuch. Viele Whatsapp-Nachrichten und Hinweise der Lehrerin, die Einwilligungserklärung für die Bilder zu unterschreiben. Zog sich 3 Wochen. 

Dann noch ein letztes Gruppenfoto, das die Vielfalt der Klasse mehr als unterstreicht: Die Hälfte mit Maske im Gesicht, die Hälfte ohne und die Hälfte mit einem Abschluss-T-Shirt, die andere Hälfte ohne. In der letzten Pflegschaftssitzung vor Corona wurde noch diskutiert, warum es KEIN Shirt geben sollte. Das Geld der Klassenkasse reichte zwar dafür, aber wie lange hat man was von einem T-Shirt, aus dem man schnell rauswächst und das man sicher nicht in der neuen weiterführenden Schule anhat. Also: Gemeinschaftliche Entscheidung gegen das Ding und für das Fotoalbum. 2 Wochen vor Schulende schreibt die Muddi, deren Ex-Mann einen Shirt-Design-Shop hat, dass ihre Tochter eines vom Vaddi bekommt. Und dieses Shirt fände sie so toll und wem’s gefällt, der könne es privat für 12 Euro bei ihr bestellen. Obwohl „allgemein der Tenor war, keine Shirts“. Mhm. Ich habe gezählt. Es folgten 134 Whatsapp-Nachrichten zum Thema –  und in allen ging es um: „Blabla will eines in 146, geht auch größer… – Blublu möchte es in 152… – Sorry, die Farben gibt es nur bis 146, ansonsten schicke ich eine Farbtabelle rum für die anderen Größen — Fände es jetzt aber schade, wenn alle unterschiedliche Farben hätten… Ok, ich frage nach, was geht …Oh, die Größen haben sich geändert, nur noch XS bis M, keine 146…das Shirt ist bis Mittwoch fertig…supi…Können wir das schon am Donnerstag zum vorletzten Schultag anziehen?…Wer hat es noch an heute?…“

Und so stehen also 13 Kinder in türkisem Shirt mit neongelber Schrift da und 10 ohne. Meine ohne. Man muss sich einfach auch soldarisch zeigen mit denjenigen, die eben sicher keine 12 Euro extra für einen Tag ausgeben wollen/können. Und weil es eben ausgemacht war. Und der Junge ohne Blumen und Text darf gerne ein schickes türkises Shirt anhaben. Seine Eltern hätten mal nicht in Stoff, sondern ins Kind selbst investieren sollen.

So endet also die Grundschulzeit, mit etwas Wehmut, aber vor allem mit einem gespannten Blick nach vorne. Während der eine Sohn mit feuchten Augen im Auto sitzt, lächelt der zweite vergnügt und meint auf Nachfrage, wie er sich denn kurz nach Verlassen der Schule fühlt:
„Frei! Einfach nur frei!“




Ebay – ich kann’s nicht lassen

Fahrradverkauf. Foto machen, Text dazu und online stellen.

Heute haben sie mir nach nicht mal 30 SEKUNDEN die Bude eingerannt. Wegen eines gut 15 Jahre alten Damenfahrrads. 50 Euro.

Der erste Interessent, Roman, schrieb mir: „Kaufe gerne für 60 Euro“

Meine Antwort: „Hallo Roman, vielen Dank für Ihr Interesse. Aber wollen Sie wirklich 60 Euro für ein Rad bezahlen, das 50 Euro kostet?
Mit freundlichen Grüßen“

Roman: „Ok 55 passt“

Eine Minute später: „Was ist mit das Fahrrad, Gänge und Nabendynamo funktioniert. “

3 Minuten später: „Bitte um Antwort“

Ich – 2 Minuten darauf: „Hallo zurück, alles funktioniert, alles ist in Ordnung.
Wann könnten Sie – gerne für die angegebenen 50 Euro – das Rad in … abholen?“

Roman: „Komme sofort, das dauert 40 min. aus … Bitte um die Adresse.“

Ich: „Alles klar, Sie waren der erste und daher bekommen Sie das Rad. 😉
Unsere Adresse: …
Wir warten eine Stunde lang auf Sie.
Viele Grüße“

Danach kamen 34 Anfragen wegen des Rads. Ich war im puren Stress. Bing. Lesen. Böng. Antworten. Bin ja ein höflicher Mensch, der allen sagte, dass da ein Herr vor ihnen angefragt hatte und ich mich gegebenenfalls nochmal bei ihnen melden würde.

Bing. Bing.

„Hallo
Guten Tag
İch interesse“ – eine Minute später: „İst das noch da
İch möchte jetzt Fahrrad abholen“

Bing. „Guten Tag für 40 Euro nehme ich sofort mfg “

Bing. „Guten Tag
Für 40€ kann ich das Fahrrad sofort abholen“ „Ich komme aus …
Brauche max halbe stunde“

Böng.Böng.Böng.Bing.

„Hallo guten Tag ich möchte dass kaufen bitte schicken sie mir ihr Adresse
Mfg“ – EINE Minute später: “ Ich möchte jetzt kommen und abholen“

Bing: „Hallo kann ich abholen in der Montag?“

Bing.

„Hallo ist noch da“ — 2 Minuten später: “ Wenn da ist kann ich sofort kommen“ Daraufhin schickte ich meine – inzwischen kopierte – Standardantwort: „Hallo zurück, da war ein Herr schneller als Sie. Falls das Rad in 2 Stunden noch da ist, melde ich mich bei Ihnen.“ — Antwort: „Warum warten sie 2 stunden komme ich sofort“ Ich wiederum:  „Ich warte, weil ich ein netter Mensch bin und es zunächst dem ersten, der sich hier freundlich gemeldet hat, versprochen habe. ;-)“ Anwort: „Sie sind wirklich sehr nette. Ich habe gestern ein Rad reserviert für heute nach 2 Stunden geschrieben ist verkauft“

Das war alles innerhalb von 20 Minuten. Schweißgebadet wartete ich noch weiter 20 ab, bis Roman kam, im Blaumann, ohne Haupthaar, am lachen. Super lieb. Ob ich nicht noch ein zweites Damenrad hätte? Er freut sich, dass bald die Grenzen zu Polen wieder offen sind und dann fährt er mit seiner Frau rum. Und sein polnisches Bier – ach das ist gut!

Jetzt muss ich aber aufhören, weil ich ja noch 2 Jungenräder eingestellt habe. Und der Oma aus Brüggen muss ich gleich sagen, dass ich mich vielleicht in 2 Stunden wieder bei ihr melde…

Bing. Bing. Bing.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Reischl Katherl

Gastbeitrag:

Vom Finstersterner nach einer wahren Begebenheit erzählt:

 

Für’s Seelenheil

 In den Zeiten geistlicher Schulaufsicht hat ein Lehrer nebenbei allerhand zu tun. Solchermaßen ist August Bothschafter (1856-1932) im Bayerwalddorf Grainet nicht nur Schulprinzipal, Gemeindeschreiber, Feuerwehrkommandant, Obstbaumwart und Imker, sondern auch Chorregent, Organist und Pfarrmesner. Als Letzterer muss er u.a. das Weihwasserbecken in der Pfarrkirche nachfüllen, — und das auffallend oft. Schuld daran ist das Reischl-Katherl, das täglich die Gräber auf dem Gottesacker vor der Kirche mit geweihtem Nass versorgt. Des ständigen Nachfüllens überdrüssig knöpft sich der Schulmann das Katherl vor und gibt ihm eindringlich zu verstehen, künftig sparsam mit dem ‚Weihbrunn‘ umzugehen, und die Ermahnte ist zunächst einsichtig. Doch als Pfarrer und Lehrer einige Tage später aus der Graineter Kirche kommen, müssen sie sehen, wie das Reischl-Katherl aus einem Eimer mit beiden Händen geweihtes Wasser auf die Gräber schöpft, und das unter den aufmüpfigen Worten: „Seht‘s arme Seeln, seht‘s arme Seeln, lasst‘s enk vom Schuilehrer am Ooosch lecka!“

 

 

Nö – einfach NÖ!

Klassenpflegschaftssitzung. Die üblichen, wenigen Verdächtigen (sprich: Eltern, die sich irgendwie für ihr Kind und die Schule interessieren) sitzen aufgereiht auf den Ministühlchen in der Grundschule.

Auftritt Klassenlehrerin. „Hallo zusammen. Wer schreibt das Protokoll?“

Schweigen. Blicke. Zu mir. Eine Stimme von links außen. „Na, ich würde mal sagen, DU machst das, das hat doch die letzten 4 Jahre so gut geklappt…“ Breites Grinsen. Von überall her.

„Nein, ich heute nicht.“ Batsch. Entsetztes Schweigen. Frau Schachtldaifal schreibt nicht. Wo sie doch zumeist sonst geschrieben hat. Klaglos. Weil’s sonst keiner machen wollten und alle ihre Schuhe angesehen haben. Oder den Boden.

„Bist du krank?“ Erschrockener Blick von halblinks von einer wirklich netten, einfühlsamen Mutter.

„Nö. Alles gut, alles wie immer. Ich mache es nur heute nicht. Ich mag nicht.“

Stille. Geräusche von eingesaugtem und stoßweise ausgeatmetem Restsauerstoff, welcher nicht üppig vorhanden ist in diesem Klassenraum.

Sie MAG nicht. Noch nie gehört. Ich warte. Ich gucke definitiv nicht meine Schuhe oder den Boden an. Wird Frau Schachtldaifal noch umschwenken? Wird sie die starrende Stille aushalten können? Wird sie??

Jau, sie guckt. Sie holt sich l a n g s a m ein Bonbon aus der Tasche. Sie schiebt es in den Mund. Sie lutscht.

Endlich findet sich noch jemand, der offensichtlich des Schreibens mächtig ist. Erleichterung.

Ich lutsche weiter und fühle mich großartig. Warum nicht schon eher? Warum immer so höflich? Warum nicht gleich sagen, was Sache ist?

Bin wohl so erzogen worden, höflich und nett. Anständig sein. Lächeln.

Mit den Jahren wuchs in mir Erkenntnis. Viele Menschen sind mitnichten ebenso höflich und nett. Sie nutzen dich schamlos aus. Man selbst hingegen reagiert sehenden Auges wiederum höflich. Das ist für die innere Balance auf die Dauer mega anstrengend. Und man ärgert sich im Nachhinein darüber, dass man nicht Tacheles geredet hat.

Daher habe ich es mir so langsam angewöhnt, nicht mehr diese für mich zunächst am einfachsten erscheinende, langfristig hingegen für mein seelisches Wohlbefinden wenig förderliche Devotschiene zu fahren.

Am besten ist immer noch die Wahrheit. Gleich. Auch wenn’s weh tut.

Ich bin nicht dein Taxi, dein Hotel, dein Packesel oder dein Koch. Nicht falsch verstehen: Es gibt viele liebe Menschen, die selber anständig und empathisch sind. Für die würde ich alles tun und ihnen jederzeit helfen. Die sind immer willkommen. Aber ausnutzen lassen möchte ich mich nicht mehr.

Sehr erfüllend, wenn man das auch durchzieht. Die Wahrheit aussprechen.

Den Postboten abfangen und ihm klar sagen, dass man die Briefe bitte nicht nass und am besten auch nur die eigenen und nicht die der gesamten Nachbarschaft im Briefkasten haben möchte.

Dem Hundebesitzer in freundlichen, aber klaren Worten sagen, dass er seinen Dalmatiner nicht frei im Wald laufen lassen kann, wenn dieser noch nicht mal auf seine Kommandos hört und andere Hund anfällt (von Rehen ganz zu schweigen).

Und eben auch nicht Protokolle schreiben, wenn andere Muttis noch nie in den 4 Jahren Grundschule irgendwo aktiv geholfen oder zumindest einen Kuchen gebacken haben.

Am Ende der Pflegschaftssitzung war zumindest dieser Drops gelutscht. Nö – einfach Nö!

Vielen Dank an dieser Stelle an die liebe/den lieben J. und M. aus P. , die mir mit einem wegweisenden Buch („Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Ichiro Kishimi und Fumitake Koga) die Augen nochmals einen Spalt weiter geöffnet haben.

 

 

 

Fette Beute

Man könnte es mit Ludwig Börne sagen:

„Es gibt Leute, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld.“

In meinem Fall: Ich gehöre anscheinend sowohl zu der einen Gruppe von Leuten als auch zu der anderen. Zunächst habe ich mit Geld gegeizt und gedacht: „Ei fein, hier wird im hiesigen Baumarkt eine Champignonzucht feilgeboten. Nur 12 winzige Euros und von da an bottomless Pilze!“ Sodann habe ich auch meinen Verstand beiseite gelassen und tatsächlich gemeint, dass ich ohne viel Aufwand bei der Beschaffung und bei der Hege und Pflege viele köstliche Champignons hervorzaubern könnte. Ja! Ich Ignorant! Meine Einschätzungen sind offensichtlich keinen Pfifferling wert.

Ehrlich, ich habe alles so gemacht, wie es auf dem Kasten stand. Und jetzt, nach 6 1/2 Wochen, habe ich es geschafft:

Das ist doch ein wunderhübscher Pilz! Ich nenne ihn Schorsch I, den schuppige Champignon. Er ist mein ganzer Stolz. Zusammen mit seinem Bruder Schorsch II, dem schmierigen Champignon, teilt es sich ein hübsches Plastikbeet unter der Heizung in der Küche. Seit 6 1/2 Wochen. Laut Beschreibung sollte schon die 3. oder 4. Ernte mit unzählig vielen Pilzen anstehen. Pah! Nix da!

Fette Beute sieht anders aus. Immerhin sind es wohl die teuersten Champignons weit und breit. Jeder mindestens 6 Euro wert. Energiezufuhr und Wassergabe nicht eingerechnet. Ich kann die auch nicht essen. Sie sind mir inzwischen schon ans Herz gewachsen. Allerdings muss man jetzt aufpassen, da sie so groß sind, dass sich die Heizung bald als Muster auf ihnen abformen wird.

Lasst uns mit einem Börnezitat enden – liebe ich doch beim Schreiben nichts mehr als einen sich schließenden Kreis:

„Einen Wahn verlieren macht weiser als eine Wahrheit finden.“

Vom Pilzzuchtwahn bin ich nun befreit! So verspüre ich keinen Zwang, einen großen mit Shiitakemyzel geimpften Strohballen in die Garage zu wuchten.

Verkaufsstrategien

Neulich vor dem Supermarkt. Da ist ein Stand mit türkischen Spezialitäten. Ab und an darf man sich ein bis drei Schüsselchen voller leckerer eingelegter Champignons, Oliven und Co , die horrende Preise haben, durchaus gönnen.

Ich ordere also meinen Curryfrischkäsespezial. Es gibt kleine oder große Plastikbecher. Während ich ansetze, diesbezüglich meine Wahl zu treffen, hat der nette Verkäufer schon ein unsagbar großes Stück Fladenbrot auf einen Zahnstocher gepiekst und in einer rötlichen Soße gebadet. Mit Schwung nimmt er das Ding raus, schwappt es über die Theke und hält es mir vor’s Gesicht. „Zum Probieren!“ Ich sehe die Soße dickflüssig das Fladenbrot verlassen und ehe sie auf meine Jacke tropft, stecke ich mir das überdimensionierte Probierbrot in den Mund. Währenddessen schnappt sich der Verkäufer in Windeseile einen großen Becher und – haste nicht gesehn – hat in bis über den Rand mit Currycreme vollgestopft. Wollte eigentlich einen kleinen, aber nun gut, das Zeug ist ja auch lecker.

Jetzt noch etwas von den guten schwarzen Knoblaucholiven, ich hätte gerne das klein… mampf…äh…(Mist, das zweite Mal in einer Minute auf den Tunktrick reingefallen…und  Jalapenoscreme mag ich nicht)…mampf.

Das Ergebnis: 2 riesengroße Becher, zum Rand voll gefüllt (ja, das macht erst richtig Spaß, wenn ich später die Dinger von der ölbesudelten Tragetasche in den Kühlschrank stellen will), zu schlappen 9 Euro 45 Cent.

Gratulation, SIE sind der Verkäufer des Monats!

 

Ebay – Was ist nun?

Es ist wieder soweit: Ich habe Post von einer interessierten Ebay-Kundin. Sie (ich gehe jetzt mal davon aus, dass es eine Sie ist, weil sie bei mir Damen-Gummistiefel erwerben und selbst einen „sehr weißen BH“ verkaufen will, hat mir eine Nachricht geschickt.

Das ist ja schön! Ich sehe mir mein Angebot noch einmal an und stelle fest: Ich hatte keinen Preisvorschlag zugelassen. Will meinen: Möchte keinen Preisvorschlag von jemandem bekommen, sondern einfach meine Gummistiefel für 10 Euro verkaufen.

Weil ich einen guten Tag habe, schreibe ich zurück, dass die Stiefel nur einmal draußen waren, tadellos und beinahe neuwertig und damit ihren Preis vollauf wert sind. Und ich gehe netterweise mit dem Preis einen Euro runter.

Bald kommt die Antwort von – ich nenne sie jetzt mal „Schnurzelpurzel400“:

Mhm. „Was hat Schnurzelpurzel400 denn für ein Problem?“, denke ich. 10 Cent hätte ich nachgelassen? Baby, ich habe noch nicht einmal Preisvorschläge angeboten. Das ist also eine Ebayerin, die betont frech und nervig ins Kaufgespräch einsteigt. Man könnte da gleich mal gar nicht antworten oder ebenso pampig.

Weil ich einen guten Tag habe, anworte ich gemäßigt pampig. Ich versuche es mit mir einleuchtender Argumentation:

Ein paar Stunden später kommt die Replik von der „sehr weiße BHs“-tragenden Schnurzelpurzel400:

Hm. Wie soll ich dir’s sagen, Schnurzelchen. Du weißt „garnicht“, was ich will? Nun, ich will hier nichts von dir. Du willst was. Offensichtlich so sehr, dass du mir zurückgeschrieben hast. Weil der Preis von meinen Schuhen nämlich angemessen ist. Das merkst du wohl auch.

Und wenn ich mich wo „versehen“ habe, dann entschuldige ich mich dafür.

Und ich habe nie gesagt, dass du „Schuld daran“ warst, dass deine Latschen einen Riss bekommen haben. Es ist mir vielmehr total wurscht.

Und ich „verschrecke“ die Käufer… JAAAAA! BUUUUHHHH! Weg mit dir!

„Was ist nun?“ – – –

Nix. Einfach nur nix ist. Hatte dich ja schon vor meiner zweiten Antwort aus meinem Käuferkreis explizit ausgeschlossen.

Weil du unfreundlich bist. Und dann habe ich mir deine Bewertungen als Verkäufer durchgelesen:

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Einen Tag später…

Und wieder einen Tag später…

Ja, Schnurzelpurzel – Schlimm! Das ist ja so schlimm! Ich muss gleich weinen.

 

Fußballspielersammeln für Unwissende

Was machen Kinder, die sich nicht für Fußball interessieren, deren Eltern keine Ahnung von Fußball haben und die von der netten Nachbarin Fußballklebebildchen geschenkt bekommen?

Klarer Fall: Sie sortieren! Nach selbst gefundenen Kategorien.

Zum Beispiel machen sie einen Stapel mit den Spielern, die ernst in die Kamera blicken:

Und dann kommt der Stapel, auf dem Spieler fröhlich lachen:

Es gibt desweiteren die Einteilung nach zumindest freundlich lächelnden (auch das Augenlächeln zählt) Akteuren:

Und schließlich noch die Spieler, die erschrocken oder überrumpelt schauen:

Und die Mutter hinterfragt dann später, wenn die Jungs die Klebedinger schon wieder vergessen haben, für sich selbst die Hintergründe.

Warum gucken die so ernst?

Klarer Fall – Vegetariersportler, die für Wiesenhof-Hähnchenwerbung laufen müssen:

Und was seht ihr zwei denn so kühl-berechnend drein? Ihr wollt wohl raus aus dem Milchbubi-Image.

Letztendlich bleibt noch zu klären, warum manche Fußballer so befreit lachen können, einfach so, ohne Angst, dass man sie für Weicheier hält.

Ich meine: Es ist alles eine Frage der inneren Einstellung …

… und wohl auch der richtigen Versicherung.

P.S.: Falls ich jetzt unwissentlich für IRGENDETWAS hier Werbung gemacht habe, möchte ich hoch offiziell anmerken: Ich habe dann anscheinend für irgendetwas Werbung gemacht und kennzeichne dies ausdrücklich. Mögen tue ich die armen Wiesenhofhühner nicht, meine Milch kommt vom Bio-Bauern und unsere Versicherungen sind andere, die ich aber wiederum gar nicht nennen möchte, weil sie mich monatlich arg schröpfen und bei Bedarf beispielsweise nur das Ersatzschräubchen meines linken Brillenbügels zahlen.